Sonntag, 12. März 2017

Rauf auf den Berg - oder vielleicht lieber doch nicht?! + Jjimjilbang! (11.03.-12.03.)

Hallo meine lieben Leser!
Das Wochenende ist geschafft - und ich auch! Wie ihr schon aus dem Titel dieses Post entnehmen könnt hieß es bei mir dieses Wochenende WANDERN... so mehr oder weniger.
Aber fangen wir mal von vorne an. Unter der Woche hatten wir (meine kleine große Gruppe von internationalen Studenten) den Plan gehegt, dieses Wochenende auf den Bukhansan Berg zu steigen, dann für die Nacht in die Sauna zu gehen und dann am Sonntag nach Gangnam zu fahren und dort die Gegend zu erkunden. Gesagt - getan.
So trafen wir uns also am Samstag in der Frühe und nahmen den Bus nach Juan um dort dann in die Bahn zu steigen und nach Seoul zu fahren, der Bukhansan liegt nämlich im Bukhansan National Park in Seoul - somit durften wir erstmal gute 1,5h in die Hauptstadt fahren um überhaupt an unser Ziel heranzukommen.
Und da geht es die Treppen hoch und runter! Bahnfahren ist hier immer mit viel Treppensteigen verbunden, da die Stationen immer unterirdisch verlaufen.
Vielleicht kurz etwas zum Park selbst: der Bereich um den Bukhansan Berg (Gebirge) wurde 1983 zum Nationalpark erklärt und beinhaltet nicht nur den Bukhansan Berg sondern auch das Dobongsan Gebirge. In einer Gesamtfläche von 80.699 km² bietet der Park 3 "Spitzen" die man erklimmen kann. Der Name Bukhansan stammt aus der Zeit, als die Bukhansanseong Festung unter König Sukjong (aus der Joseon/ Choson Dynastie) gebaut wurde.
So, jetzt ist wieder Schluss mit der Geschichts- und Geografiestunde.
Also wir aus der Bahn herauskamen und die Treppen hoch zur Straße liefen... war unser Ziel schon vor unseren Augen: ganz hinten, da, wo die Straßen aufhörten, hinter den Hochhäusern blickte uns der gewaltige Bukhansan entgegen. Dass das kein Spaß mehr wird war mir jetzt schon klar. Aber naja, erstmal mitmachen und nicht einknicken. So ging die Reise los und wir machten uns auf in Richtung Berg, wobei die Straßen immer steiler und "ländlicher" wurden. Bei einer geneigten Ebene von ich schätze 40-45° verging mir schon die Lust auf den Berg. 
Hinter den Hochhäusern lässt sich es schon erahnen - da kommt noch mehr als nur ein bisschen Wandern auf uns zu.


Auf dem Weg zum Bukhansan - langsam war das Ganze kein Spaß mehr, die Straßen wurden steiler.

Hier kurz für euch ein Bild, wo man gut den Anstieg der Straße erkennen kann.

Lachen ist die Beste Medizin - noch hatte ich nicht gesehen was das für eine Kletter-Aktion wird.
Als wir dann endlich den Ort erreichten, wo man auf den Berg steigen konnte der Schock: es handelt sich hier um ein mehr oder weniger naturbelassenes Gebiet, kaum etwas zum festhalten, nur riesige Steine und Bäume - und wie ihr sicherlich wisst ist das gar nicht mein Ding. Wir alle waren etwas perplex und wussten nicht genau wo wir lang müssen, denn eigentlich hatten wir alle einen doch eher entspannten Wanderweg erwartet, der sich seinen Weg auf eine Spitze bahnt. Aber falsch gedacht! 
Um es kurz zu fassen: ich bin ein Stück weit mit hochgekraxelt und habe mein bestes gegeben, aber da ich weder das passende Schuhwerk, noch die passende Kleidung für Klettern und all das anhatte, habe ich schon nach einer guten halbe Stunde aufgegeben und bin zurück, während der Rest der Gruppe weiter zu der ersten Spitze gewandert ist - das war schon peinlich. Aber ihr kennt mich ja, wenn das nichts abgesichert ist und das Ganze auch noch in einer ziemlich fraglichen Höhe stattfindet und man da von Stein zu Stein springen muss und dazwischen ein kleiner Abgrund ist - nee, das ging mir echt zu weit, da kann ich echt nicht mithalten. Aber schon allein das Stück was ich mitgegangen war, hat mir einen schönen Ausblick auf die Seoul, bzw. einen Bereich davon, gegeben.
So sah der Weg hoch auf den Berg am Anfang aus - nicht sonderlich gut, aber noch im Rahmen des Machbaren.

Der Ausblick von dem Vorsprung, auf den ich auch noch mit geklettert bin




Ich habe dann wieder den Weg nach unten gesucht und der Abstieg war noch schwieriger als das Hochklettern. Teilweise auf dem Arsch rutschend suchte ich mir meinen Weg wieder Richtung Zivilisation. Jetzt kann ich mir ungefähr vorstellen, wie es sich damals angefühlt haben muss, wenn vor hunderten von Jahren die Dichter und Denker oder die Forscher und Erkunder einen Berg bestiegen haben. Als ich mich dann wieder im Straßengetummel wiederfand war auch das erste Café nicht weit, in welches ich mich dann gesetzt hatte, um auf die anderen zu warten. Bei einem Kiwi-Joghurt-Smoothie entspannte ich mich und beobachtete das Treiben auf der Straße. 
 Ungefähr 1,5h später war dann auch der Rest wieder unten - und sichtlich KO. Und nachdem ich gehört habe, was sie alles machen mussten nur um auf die erste Spitze zu gelangen, ein Glück bin ich unten geblieben! Denn je höher es auf den Berg ging, desto steiler wurde es und desto weniger zum festhalten gab es, am Ende (so die Aussagen), habe man beide Hände gebraucht um sich festzuhalten und hochzuklettern (tatsächliches Klettern). Die Aussicht war wohl aber dafür Belohnung genug - das glaube ich, ich hätte es auch gern gesehen, aber nicht für den Preis... den der Abstieg war der gleiche Weg! Und naja, wie gesagt, hoch kommt man ja meist leichter als wieder runter. 
Hier habe ich mal ein Bild, was die anderen während des Auftieges geschossen haben. Wie ihr sehen könnt... ist das nicht ganz so das, was man für gwöhnlich unter gemütlichem Wandern versteht.
Dementsprechend hatten einige auch Kratzer und wunde Hände - und Hunger! Somit war unser nächster Anlaufpunkt klar: ein kleines Restaurant. Nach gefühlt ewigem Suchen haben wir uns dann für einen Ort entschieden, wo man Koreanisches BBQ essen kann (wenn ihr euch daran erinnert, dass war auch mein erstes richtiges Essen an meinem ersten vollen Tag in Korea). 




SO sieht das aus, wenn man sich zu schnell bewegt und dann ein Foto geknippst wird... upssi.
Nachdem wir dann unsere Mägen gefüllt hatten verließ uns ein Teil der Gruppe (diejenigen, die nicht in der Sauna übernachten wollten) und der Rest machte sich auf in Richtung Siloam Spa (Sauna). Ihr fragt euch bestimmt grade - Was? In einer Sauna übernachten? - daher für euch kurz eine Erklärung wie Saunen oder in Koreanisch: Jjimjilbang aussehen bzw. aufgebaut sind.
Jjimjilbang ist die Bezeichnung für ein koreanisches, öffentliches Badehaus, indem sich traditionelle Saunen, Pools und Duschen befinden. Ein solches Badehaus teilt sich in mehrere Bereiche, die oft auf verschiedene Stockwerke verteilt sind. Der FKK-Bereich ist geschlechtergetrennt und enthält Saunas, Whirpools, Dampfduschen, Wasserbecken und einen Bereich für das Styling nach dem Besuch. In den Bereichen, die Frauen und Männer, auch mit Kindern gemeinsam besuchen, wird für gewöhnlich Kleidung getragen. Dabei handelt es sich meist um ein einfaches T-Shirt und eine kurze Hose, dies wird vom Badehaus gemeinsam mit Handtüchern zur Verfügung gestellt. In diesem Bereich des Hauses finden sich Fitnessraum, Café mit Snacks, Rastbereiche mit Fernsehern und verschiedene Themenräume mit unterschiedlichen Temperaturen von 25 bis 85 °C, diese können zum Beispiel Eis, dunkles Holz oder auch Mineralien enthalten. Für gewöhnlich sind Jjimjilbangs 24 Stunden durchgehend geöffnet. Für die Übernachtung gibt es eigene geschlechtergetrennte Schlafsäle (meistens aber schlafen alle dort, wo sie Platz finden, egal wer links und rechts liegt), in denen Matratzen oder einfache Matten zur Verfügung stehen. Eine Übernachtung kostet zwischen 6.000 und 15.000 Won (4–10 Euro) und ist somit oft trotz des guten Services günstiger als ein Hotel.
Die Siloam Sauna - von außen.
In dem Siloam Spa durfte man von 20 Uhr bis 12 Uhr Mittag am nächsten Tag verweilen und schlafen, für einen Preis von 15.000 Won - echt ein Schnäppchen wenn man bedenkt,  was man dort alles machen kann. Jedoch waren wir etwas zu früh dort und haben uns deswegen vorher noch ein wenig die Beine in der Gegend vertreten, etwas getrunken und Kleinigkeiten gegessen und einfach erzählt. Als es dann soweit war, war ich gespannt und geschockt zugleich. Bitte entnehmt aus den Bildern (die ich leider aus Google mir holen musste, da ich schlichtweg keine Fotos machen wollte bzw. die Mitarbeiter sehr streng waren was Handys betraf).

Hier war der erste Haltepunkt. An der Kasse dort vorne hat man gesagt, was man möchte (in unserem Fall einmal Eintritt für die Nacht) und bezahlt. Im Gegenzug erhielt man sein Ticket und sein T-Shirt mit Hose. Für die Damen ging es dann nach rechts und für die Männer nach links. Dort erwartete einen dann zuerst ein großen Bereich mit Unmengen an Schuhregalen (einzelne Schließfächer). Somit hieß es erstmal Schuhe ausziehen, in ein Schließfach packen nd dann den Schlüssen mit seinem Ticket zu der Dame am Schalter bringen. Diese hat sie dann in einem kleinen Holzfach verstaut und uns jeweils einen Schlüssel für ein größeres Schließfach (für die Kleidung) gegeben.

Das hier sind die Schließfächer in der Siloam Sauna. Aber jetzt kommt erst der "Schock": genau dort hat man sich auch umgezogen. es gab keine Umkleidekabinen, keine Bänke, nichts... wenn man Pech hatte, hatte man ein oberes Schließfach und an dem unteren hat sich gerade eine Koreanerin umgezogen und fertig gemacht. Also wirklich viel Privatsphäre gab es hier nicht. In dem Umkleide/ Fertig-machen-Bereich liefen dementsprechend auch viele Damen ohne Kleidung herum, was auf einmal doch schon komisch war, so als einzige weiße Person dort. Aber egal, so ist das nunmal. Somit, schnell nackig gemacht und dann ab eine Etage tiefer, wo die der Damen-Waschbereich war.

Hier ein kurzer Einblick in den Ladies Bade- und Waschbereich. Grundsätzlich geht es hier darum den Körper intensiv zu reinigen. Zuerst wird sich ausgiebig geduscht und gewaschen und dann darf man in die (wie man sie auf dem Bild sieht) Bäder gehen, alle haben unterschiedliche Temperaturen und andere Wirkungen und Einflüsse auf den Körper. Insgesamt war der Waschbereich doch ziemlich klein und überfüllt, was schon teilweise störend war, den der wirkliche Entspannungsfaktor ging verloren. Und dazu kamen natürlich noch die Blicke der Koreaner, die anscheinend noch nie eine Weiße gesehen haben (wir waren 2 weiße Mädels, naja, da fällt mal wohl doch schon auf).

Ebenfalls in dem Waschbereich gab es diese Liegen, an denen eigentlich jeweils eine Ajumma (eine Frau mittleren Alters, meist mit kurzen lockigem schwarzem Harr und eher etwas breiterem Körper) nur in Unterwäsche stand. Ist vielleicht ein wenig komisch, aber an diesem Ort werden sogenannte "Scrubs" angeboten. Da rubbelt die Ajumma sozusagen die alte Haut von deinem Körper ab und gibt gleichzeitig eine Art Massage - gegen Entgeld natürlich. Ich habe mich nicht scrubben lassen, denn ich fand ca. 40€ dann doch etwas zu viel.

Wie man es auf dem Bild erkennen kann ist das hier die 4te Etage der Sauna - eigentlich sieht jede Etage im Hauptraum so aus wie diese hier auf dem Bild, und nur die angrenzenden Räume sind unterschiedlich. Links sind hier Saunen (dazu gleich mehr) und rechts sind Entertainment-Räume (wie z.B. ein Karaoke-Raum, ein PC-Raum, Spiele-Raum und vieles mehr). Hier kann man unter anderem auch schlafen oder einfach nur sitzen und (leise) erzählen.
Das hier ist der Eingang zu einer der Saunen - wie ihr sehen könnt ist es aber nicht wirklich eine Sauna. In Korea gibt es nicht wirklich heiße Saunen, sondern mehrere etwas im Vergleich "kühlere" Saunen. Auch das Konzept selbst ist anders. Der Raum ist viel kleiner und nicht nach oben hin mit Bänken gestaffelt. Der Boden ist meist bedeckt mit kleinen Steinen/ Salzen oder Tonkugeln und diese sind erhitzt. Wenn man dann den Raum, der meist für 10 Leute ausgelegt ist) betritt, dann sucht man sich eine freie Stelle und legt sich dann in diese Materialien rein - mit Kleidung natürlich, wir sind ja mit dem anderen Geschlecht in einem Raum! Schwitzen ist damit nicht so lecker, weil man schwitzt ja immer direkt in die Klamotten rein... und kalt abduschen kann man sich danach auch nicht, jedoch gibt es einen Eisraum auf der selben Etage.
 Unter diesem Text seht ihr noch 2 Beispiele, wie die Saunen von innen aussehen. Links eine Stein-Sauna und rechts eine Salz-Sauna. Insgesamt fand ich die Art und Weise der Saunen wirklich angenehm, gerade auch das "in die Mineralien hineinlegen" war echt ne interessante Sache, wobei ich dabei versucht habe auszublenden, dass diese Mineralien sicherlich nie so wirklich gewaschen werden...

 Hier sind wir in unseren sexy Sauna-Outfits, haha:


Und zuguterletzt: das hier ist der Bereich wo wir dann geschlafen haben. ich fand es eigentlich wirklich sehr angenehm, denn jeder hatte sozusagen seine eigene "Höhle" mit einer Matratze, einem Kissen-Stück und einem großen Handtuch, was als Decke fungierte. Da ich zum Glück meine Oropax und eine Schlafmaske mithatte, war ich bestens gegen Schnarcher und das Licht ausgerüstet.

Als wir dann am nächsten Tag wach wurden, haben wir noch etwas entspannt, sind in die heißeste Sauna gegangen (Finnische Sauna mit 85°C) und hatten auch noch ein kleines Frühstück in dem Sauna-eigenen Restaurant. Dann ging es sich waschen, fertig machen, anziehen und wieder raus ins Freie.
Einige von uns haben sich dann wieder auf den Heimweg gemacht, aber ich und noch ein paar andere entschieden uns noch nach Gangnam zu fahren, dem "High Society" Viertel bzw. dort, wo die reichen Koreaner leben sollen. Bekannt aus dem Lied "Gangnam Style" von Psy (war in den Charts vor einigen Jahren) war ich auch relativ gespannt, wie es dort aussehen würde. Also haben wir schnell die Bahn genommen und sind dann am geplanten Ziel ausgestiegen - und wiren überrascht wie aufregend unaufregend alles war. Vielleicht lag es daran, dass es Sonntag war, aber um ehrlich zu sein sah es dort nicht viel anders aus als in all den anderen Straßen die ich bisher gesehen hatte. Ein bisschen enttäuscht waren wir schon, aber was solls. Somit sind wir noch etwas durch die Straßen gelaufen und haben uns umgesehen, bis uns der Hunger wieder einholte und wir dann (nach einer Suche ohne Ende) doch bei McDonalds wiederfanden. Hier muss gesagt werden: ja, McDonalds bietet viele Produkte an, die man auch aus Deutschland kennt, aber sie haben auch einige Produkte, die es in Deutschland nicht gibt! Wie zum Beispiel den Bulgogi-Burger, den Shrimp-Burger, sämtliche Lemonade-Varianten und Churros (die ja eigentlich eine ich denke spanische Herkunft haben?)! Und was hier auch anders ist: McDonalds hat einen Lieferservice! Schon gemein!
In Gangnam



Nach dem Essen war wir so fertig, dass wir uns auch wieder in Richtung Heimat machten, wobei wir vorher noch einen kleinen Stopp in der Underground Shopping Mall gemacht haben, wo ich auch ein zwei kleine Sachen einkauft habe.
Und jetzt sitze ich hier an meinem PC, KO vom Wochenende. Watt n Tach!

Liebe Grüße aus Korea!
Eure Isabelle 


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